Es ist schon erstaunlich: Das erste offizielle Spiel einer Frauenfussballmannschaft in Europa geht zurück auf das Jahr 1895. Trotz dieser weit zurückreichenden Geschichte muss sich der Frauenfussball seit jeher als «Randsportart» durchschlagen. Erfreulich ist umso mehr, dass es in Kaisten mittlerweile eine ganz eigene Frauenfussball-Tradition gibt.

Hierzulande hat der Frauenfussball erst ein wenig später seine Anfänge gefunden. Die Nationalliga A im Frauenfussball wurde beispielsweise erst im Jahr 1970 gegründet. Noch etwas jünger ist die Geschichte des Frauenfussballs beim FC Laufenburg-Kaisten.

Erste Anfänge vor fast einem Jahrzehnt

Wir schreiben das Jahr 2010, als ein Team des FC Laufenburg-Kaisten zum ersten Mal an einem offiziellen Meisterschaftsspiel teilnimmt. Es ist der 22. August – ein Sonntag; Anspielzeit 10.30 Uhr. Bei den Männern eine eher wenig geschätzte Zeit für ein Meisterschaftsspiel.

Gegenüber steht mit dem FC Diegten-Eptingen ein Gegner, gegen den man bei den Männern in der Vergangenheit schon viele denkwürdige Spiele gesehen hat. Ein Erfolg ist der Frauenmannschaft in diesem Startspiel nicht gegönnt; es geht mit 1:8 verloren. Den meisten dürfte die Gewissheit, zum ersten Mal ein «zählendes» Meisterschaftsspiel bestritten zu haben, aber deutlich mehr bedeutet haben. Schliesslich hatten sich die Frauen mit viel Herzblut auf diesen grossen Tag vorbereitet. Immer wieder hatte sich das neu formierte Team zum Trainieren getroffen – und die Freude am Fussballspielen war dabei stetig gestiegen.

Unter dem damaligen Präsidenten, Kai Schnetzler aus Kaisten, wurden die Damen dann vor knapp zehn Jahren offiziell in den Verein integriert.

Anfänglich wurden die ersten Trainingseinheiten in Laufenburg und in Kaisten noch verwundert und mit grossen Augen betrachtet. Doch es zeigte sich bald, dass diese neue Abteilung des Dorfvereins zu einer wichtigen Stütze werden würde.

Ein grosser Tag – der erste Sieg

Die Resultate in der ersten Saison, gegen oft um ein Vielfaches erfahrenere Teams, fielen oft deutlich zu Gunsten der Gegnerinnen aus. Wenig erstaunlich, tauchten in der 4. Liga in jenem Jahr auch Spielerinnen auf, die in den Jahren zuvor noch beim FC Basel gekickt hatten. Umso mehr darf dann der 3. April 2011 als geschichtsträchtiger Tag bezeichnet werden: Gegen den SC Dornach gelang der damals von Alex Rüede trainierten Mannschaft ein umjubeltes 2:1 – der erste Sieg einer Frauenmannschaft des FC Laufenburg-Kaisten überhaupt. Im Kader an diesem Sonntagnachmittag standen: Saskia Lupo, Selina Etter, Selina Rebmann, Manuela Müller, Amira und Virginia Fischer, Sarah Moritz, Sonja Heuberger, Andrea Winter, Geerthiha Thanabalasingam, Melanie Langenegger, Rahel Rehmann, Sandra Schnetzler und Sandra Zollinger.

Gemeinsamkeit, Zusammenhalt, Vereinsleben

Mit den Jahren veränderte sich die Mannschaft – ganz natürlich. Und bis auf einige wenige Frauen, die sich damals und auch heute noch die Fussballschuhe für den FC Laufenburg-Kaisten schnüren, hat sich das Kader immer wieder erneuert.

Eines jedoch ist geblieben: Das Team lebt und zehrt mit Sicherheit nicht von sportlichen Höhenflügen.

Das muss es auch nicht. Vielmehr zählen für die Frauen der Zusammenhalt und die Freude am gemeinsamen Ausüben des Sports. Werte, die genauso auf jeden anderen Dorfverein in der Schweiz angewendet werden müssten, denn genau das ist letztendlich der «Motor» für ein gelungenes Vereinsleben.

Natürlich werden aber auch die sportlichen Erfolge, die in all den Jahren keineswegs ausgeblieben sind, verdient gefeiert.

So zum Beispiel an diesem Abend im September 2012, als man im Pokal den Zweitligisten und Cup-Favoriten SV Sissach im Elfmeterschiessen sensationell aus dem Wettbewerb warf.

Die Tradition weiterführen Blickt man nun auf dieses Jahrzehnt des Frauenfussballs im Dorf zurück, kann man sicherlich etwas festhalten:

Die Mannschaft ist zu einem überaus wichtigen Bestandteil des Vereins geworden.

Erfreulich ist auch, dass das Team in Kaisten im «Boll» seit Jahren einen festen Platz für die regelmässigen Trainingseinheiten gefunden hat. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass der Verein diese schon heute geschichtsreiche Tradition weiterführen möchte, obschon es in den letzten Jahren nicht immer einfach war, einen ausreichend grossen Kader für die Teilnahme an der Meisterschaft zusammenzubekommen.

Der Frauenfussball, das zeigt auch ein Blick auf andere Vereine in der Region – ja, gar in der Schweiz, unterliegt im Breitensport einer fast schon natürlich hohen Fluktuation.

Dass es in den letzten Jahren trotzdem immer wieder gelungen ist, ein Team zu stellen, spricht für die jeweiligen Trainer und die Spielerinnen selbst. Es muss schon etwas dran sein an dieser Frauenfussball-Tradition im Dorf. Natürlich sind all jene, die sich selbst ein Bild machen möchten, ganz herzlich eingeladen, ein Training zu besuchen.

Auch für die neue Saison sucht das Frauenteam noch neue Teamkameradinnen und eine/n neue/n Trainer/in.

Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, bei einem Training in Kaisten vorbeizuschauen: Dienstag und Donnerstag, 19.30 Uhr, «Boll», Kaisten.

Für weitere Informationen stehen Sarah-Bess Bartl (neue Spielerinnen, 079 959 51 15) oder Mathias Gehrig (Trainersuche, 076 389 26 08) jederzeit gerne zur Verfügung.